dfg - Ausgabe 45 - 16

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Artikel-Nr.: SW10317

 

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Produktinformationen "dfg - Ausgabe 45 - 16"

Kommentar zur Gesundheits- und Sozialpolitik:
PA- und PR-Getöse: Gröhe unter Lobbyisten-Druck!?

(dfg 45 – 16) Manchmal muß man wohl etwas übertreiben und drastisch werden, um dem ab und an beschaulich dahindümpelnden bundesdeutschen Gesundheitswesen bzw. deren Akteuren „auf die Sprünge“ zu helfen. Das vollbrachten vor Jahren schon z.B. die damalige SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt MdB (67) und der heutige stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Prof. Dr. med. Dr. sc. (Harvard) Karl W. Lauterbach MdB (52) als sie von einer „optimalen Kassenzahl von 30 bis 50“ Körperschaften träumten. Der Verlauf der Geschichte ist be-kannt: Der Konzentrationsprozeß in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nahm zu und man ist auf dem besten Wege, die einstige „Vorgabe“ zu erreichen. Das gelingt heute noch: Um einer Branche und die sie unterstützenden Gruppen in der Politik gedanklich „aufzurütteln“, auch um Strukturmaßnahmen herbei zu führen, läßt man z.B. Ökonomen das wissenschaftliche Richtbeil schwingen (vgl. Beitrag in dieser dfg-Ausgabe) Im Gegenzug: Lobbyisten nutzen ebenfalls gerne die Heraufbeschwörung des „Untergang des Abendlandes“ und schüren die Furcht vor dem Verschwinden eines ganzen Berufsstandes oder einer ganzen Branche. Das mögen Politiker gar nicht gerne, denn sie wollen nicht die Schuldigen sein. Aber beide Wege gehören nun einmal zum „normalen“ Politikgeschäft des 21. Jahrhunderts. Verbunden mit einer Grundvoraussetzung: Das Public Affairs-Geschäft (PA) muß von einem prächtigen Public Relations-Getöse begleitet werden, dafür steht so manches Medium gerne bereit.


Gesetzliche Krankenversicherung:
Mitgliederentwicklung I: Die Ortskrankenkassen weiter auf absoluten Erfolgskurs

(dfg 45 – 16) Deutschland sonnt sich immer noch im wirtschaftlichen Erfolg. Die andauernde positive Konjunkturentwicklung beschert sinkende Arbeitslosenzahlen. Für die Sozialversicherungen bedeutet das: Sie nehmen mehr und mehr Mitglieder und Versicherte auf. Das kann man auch aus den offiziellen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) herauslesen, die am 2. November 2016 zum Stichtag 1. Oktober 2016, publiziert wurden. Ebenso wie zwei wichtige Trends. Zum einen, die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) rennt von einem Rekord zum nächsten. Zum Stichtag wurde die Spitzen-Markierung von 55,5 Mill. GKV-Mitgliedern in bundesdeutschen Landen geknackt. Innerhalb von drei Monaten, seit dem 1. Juli 2016, stießen noch einmal knapp 400.000 Mitglieder netto hinzu. Das Top-Ergebnis dürfte nicht nur der üblichen, so genannten „Lehrmäd-chenquote“ geschuldet sein, sondern auch anderen Faktoren. Zum anderen, absoluter Gewinner bei den Wechselbewegungen wie auch bei den Neuaufnahmen innerhalb der GKV sind die Ortskrankenkassen. Vor allem Körperschaften aus den anderen Kassenarten mit hohen Zusatzbeiträ-gen mußten einen erheblichen Blutzoll entrichten. Hier wirkte sich das „Richtbeil“ ganz wie die Axt eines Henkers für die Betroffenen aus (vgl. Beitrag in dieser dfg-Ausgabe).

Mitgliederentwicklung II: Die individuellen Zusatzbeiträge sorgen für heftige Ausschläge

(dfg 45 – 16) Seit 2004 bemüht sich die dfg-Redaktion um Transparenz bei der Mitglieder- und Versichertenentwicklung in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die in den mittlerweile traditionellen dfg-GKV-Rankings münden. Doch selten zuvor mußte sie von so dramatischen Ent-wicklungen bzw. Wechslerbewegungen auf breiter Front berichten, wie bei den aktuellen Rankings. Also dem für die GKV-Mitglieder (vgl. BzG 5 – 16, das als Supplement dieser dfg-Ausgabe beiliegt) bzw. dem für die Versicherten (vgl. 35. Ranking als Dokumentation in dieser dfg-Ausga-be). Verluste in schwindelerregender Höhe wie Netto-Zuwächse in sonst unüblicher Form sind zu vermelden. Daß die AOK-Familie fast alle „Erfolge“ aus anderen Kassenarten blaß erscheinen läßt, das war zwar bei den Daten für das I. Quartal 2016 etwas absehbar (vgl. dfg 19 – 16, S. 6ff.). Aber nicht in dem jetzt zu dokumentierenden Ausmaße zum Stichtag 1. Oktober 2016.

Ärzte:
NäPa: Noch eine Schlammschlacht!?

(dfg 45 – 16) Wenn es um Geld geht, dann hört bekanntlich jede Freundschaft auf. Vor allem, wenn sich eine der beteiligten Seiten finanziell ständig „an den Katzentisch gedrängt“ fühlt. Kein Wunder, wenn sich die so Bedachten heftig wehren. Und im aktuellen Fall eine weitere verbale Front eröffnen, die über alle Zutaten verfügt, eine weitere heftige Schlammschlacht innerhalb der verfaßten Vertragsärzteschaft zu eröffnen. Am 2. November 2016 schrieb Ulrich Weigeldt (66), seit September 2007 wieder unumstrittener und mächtiger Bundesvorsitzender des Deutschen Haus-ärzteverbandes (HÄV), einen „offenen Brief“ an die Vorstände aller Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (GKV-SV). Der ehemals in Bremen niedergelassene Allgemeinmediziner rekla-mierte für seine Klientel viel Geld ein, das den Hausärzten aus der Förderung von nichtärztlichen Praxisassistenten (NäPa) zustehen würde. Diese Ungerechtigkeit bei der Honorarverteilung sei ein „skandalöser Zustand“. Sofort erntete er Widerspruch von Seiten einiger KV-Granden. Wobei ein berufspolitischer Hinweis brisant war, denn die mit dem GKV-SV einst getroffenen NäPa-Regelun-gen fielen in das Ressort der hausärztlichen KBV-Vorständin Regina Feldmann (63). HÄV-Chef Weigeldt dürfte vermutlich bewußt eine zweite Front im vertragsärztlichen Stellungskrieg eröffnet haben, denn bereits am 4. November 2016 legte er in einer Aussendung seines Verbandes zu diesem Thema verbal heftig nach.

Krankenhäuser:
Leopoldina: Das vorhandene Geld versickert – 330 Häuser würden reichen

(dfg 45 – 16) Die in Halle beheimatete und 1652 gegründete „Leopoldina“ ist nicht irgendeine wissenschaftliche Gesellschaft, sondern nach dem Willen des Gesetzgebers fungiert sie seit 2008 als „Nationale Akademie der Wissenschaften“. Wenn sich also eine der ältesten Wissenschaftseinrichtungen der Welt zur fehlgelenkten „Ökonomisierung“ im bundesdeutschen Gesundheitswesen äus-sert, dann hat das schon Gewicht. Mit einem wissenschaftlichen Symposion am 21. Januar 2016 setzten sich die beiden hochrangig besetzten Leopoldina-Kommissionen „Gesundheit“ und „Wissenschaftsethik“ in Berlin an einen Tisch, um das grundsätzliche Verhältnis zwischen Medizin und Ökonomie in den Blick zu nehmen. Danach formulierte eine sechsköpfige Gruppe, in der auch prominente Klinik-Chefs vertreten waren, acht Thesen, die es in sich hatten und die von der Leopoldina am 24. Oktober 2016 veröffentlicht wurden. Fundiert begründet stellten die Experten nämlich fest, daß in Deutschland eigentlich genügend finanzielle Mittel vorhanden sind, um eine qualitativ hochstehende Versorgung der Patienten sicherzustellen. Allerdings sei ein Großteil Gelder fehlgeleitet. Die für den stationären Bereich wichtigste Botschaft: 330 Krankenhäuser würden in bundesdeutschen Landen auch ausreichen – wenn man sie richtig ausstattet. Weder die Deutsche Kran- kenhausgesellschaft (DKG) noch der Marburger Bund (MB) zeigten die wissenschaftliche Ausarbeitung amüsiert. Vor allem MB-Chef Rudolf Henke MdB (62) polterte und raunzte von einem „Kettensägenmassaker“, das die Leopoldina anzurichten gedenke. Das sei einer wissenschaftlichen Einrichtung „unwürdig“.

Personalia / Berliner Szene:

1. ABDA: Kampf um den obersten Apothekerstuhl abgeblasen
2. KV Sachsen: Neu zusammengesetztes Führungsduo gewählt
3. KZV Sachsen: Neue VV bestätigt Vorstandsduo
4. Marburger Bund setzt auf Kontinuität
5. Prominent besetzter Vorstand des Berufsverbandes der HNO-Ärzte
6. AOK Nordost beruft Digitalisierung-Beirat
7. Und dann war da noch der G-BA…

Dokumentation:
35. dfg-GKV-Versicherten-Ranking: Nicht alles für die Ortskrankenkassen!?

(dfg 35 – 16) Zum 35. Mal legt die dfg-Redaktion das dfg-GKV-Versicher-ten-Ranking aller deutschen Krankenkassen vor. Zusammen mit dem dfg-GKV-Mitglieder-Ranking und dem dfg-Krankenkassen-ATLAS entstanden seit 2004 Fakten-Kompendien über den Strukturwandel in der Gesetzlichen Kranken-versicherung (GKV), die so ihresgleichen suchen.

Dieses aktuelle dfg-GKV-Versicherten-Ranking demonstriert analog zu den Mitglieder-Entwicklungen die „Anziehungskraft“ der elfköpfigen AOK-Familie. Keine der Ortskrankenkassen wies für die ersten neun Monate des Jahres 2016 ein Minuszeichen aus. Etwas, was keiner der anderen Kassenarten ge-lang. Allerdings: Der interne Wettbewerb um die jeweilige Größe und Bedeu-tung im AOK-Lager dürfte durch die Ergebnisse neue Nahrung erhalten ha-ben. Durch ihren immensen Versicherten-Zuwachs in Sachsen und Thüringen zog die Dresdner AOK PLUS an der bisher vor ihr liegenden AOK Rheinland/-Hamburg vorbei und verwies die an sich erfolgreiche Düsseldorfer Kasse nun auf Rang 8 des dfg-GKV-Versicherten-Rankings.

Zehn Ränge weiter findet man die Siemens BKK (SBK), an ihr zog die BKK Mobil Oil vorbei. Beide Kassen tauschten bereits zum Stichtag 1. Juli 2016 ihre Plätze und lauern aber weiter darauf, ab dem 1. Januar 2017 den Titel „größte BKK“ zu tragen, wenn die Deutsche BKK sich per Fusion mit der BARMER GEK aus der BKK-Familie verabschiedet. Gleich darauf wartet die AOK Sachsen-Anhalt, um die VIACTIV Kranken-kasse von ihrem 19. Rang zu verdrängen. Die extraordinären Erfolge der Bremer handelskrankenkasse (hkk), führten dazu, daß sie nicht nur die bisher vor ihr liegende Berliner BKK VBU überholte, sondern auch noch die Hanseatische Krankenkasse (HEK) Daher findet man die hkk nun auf Rang 27

 

Interessant, wie intensiv das kassenarteninterne Rennen der Innungskran-kenkassen weiter ist. Bereits zum 1. Juli 2016 erkennbare Trends setzten sich fort. Es gewann erst einmal die Madgeburger IKK gesund plus, die mit ihrer Schwester-IKK, der Dortmunder BIG direkt gesund, die Ränge getauscht hatte. Ebenfalls eine rein ostdeutsche IKK bleibt Siegerin beim Wettlauf zwi-schen der IKK Brandenburg und Berlin und der IKK Nord. Gewaltige Sprünge nach oben machten die Gewinner-Kassen der ersten neun Monate des Jahres 2016 unter den BKKen. Die Metzinger BKK rangiert nun auf Rang 78, die BKK Faber-Castell & Partner sowie die BKK Scheufelen knapp dahinter verblieben jedoch auf ihren Rängen 58 und 59.

Verlagsmitteilung I:

Dieser dfg-Ausgabe liegt als Supplement nur für Abonennten die Ausgabe Nr. 5 - 16 der „BzG – Beiträge zur Gesellschaftspolitik“ mit dem „dfg-GKV-Ranking – Liste der deutschen Krankenkassen“ nach Mitgliederzahlen zum Stichtag 1. Oktober 2016 bei.

 

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